"Du solltest Workshops geben."
Das hat mir Katherine, eine Kunstlehrerin in Kalifornien gesagt, als sie mich bei einer Ausstellung auf meine Kunst angesprochen hat. Ich lebte ab 2010 für 4 Jahre mit meiner Familie in Kalifornien und war Teil der Magoski Arts Colony.
Ich war total überrascht. Workshops? Ich? Eigentlich hatte ich einfach nur... gemalt. So wie immer. Ausserdem war mein Vater Lehrer und ich wollte nie in seine Fussstapfen treten….aber manchmal kommt das Leben anders :-)
Aber sie sagte "Deine Art ist interessant. Die anderen wollen wissen, wie du das machst. Dieses... Loslassen." Loslassen? Mir war gar nicht bewusst, dass ich etwas "loslasse". Ich malte einfach. Probierte aus. Traute mich. Das fühlte sich nicht besonders an – es war einfach meine Art.
Aber dann fing ich an, Workshops zu geben.
Und da wurde mir einiges klar. Die meisten Künstler kämpfen nicht mit Technik. Sie kämpfen mit dem Anfangen. Mit dem Sich-Trauen. Mit dem Nicht-Wissen-Was-Kommt.
Ich beobachtete oft Workshopteilnehmer, die nicht wussten, wie sie anfangen sollten. Sie fragten mich welche Farben sie nehmen sollten oder welche Striche sie machen sollten.
"Was, wenn es Mist wird?""Was ist, wenn ich die Leinwand versaue?""Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll..."
Und ich dachte nur:" Das kenne ich nicht. Warum kenne ich das nicht?"
Was ich durch Workshops über mein eigenes Malen lernte
In der nächsten Zeit nach etlichen Workshops, begann ich zu verstehen: Ich mache Dinge anders…nicht besser….einfach anders.
Auch ich habe am Anfang vieles ausprobiert. War unsicher. Habe mit Techniken, Farben und Materialien experimentiert. Aber ich bin immer weiter gegangen. Ich habe nicht aufgehört. Ich habe mich getraut.
Und irgendwann hatte ich – ohne es so wirklich zu merken – ein System entwickelt. Prinzipien, die ich automatisch anwende.
Diese 12 Tipps sind keine abschließende Liste. Es sind überhaupt nicht ALLE Antworten. Aber es sind die Dinge, die ich immer wieder gesehen habe: Bei mir. Bei anderen, die es geschafft haben. Bei denen, die den Sprung gemacht haben von "Ich weiss nicht was ich machen soll" zu "Ich male einfach".
Heute teile ich diese Prinzipien mit dir.
Nicht als jemand, die nie gezweifelt hat. Sondern als jemand, die gelernt hat, trotz Unsicherheit weiterzumachen.
Die ersten 3 Prinzipien (die sofort helfen)
1. Schaffe Dir Deinen Malmoment: Wie ich vom Kopf in den Körper komme
Ich habe in meinen Workshops beobachtet, dass die Leute oft gestresst ankommen. Der Kopf ist noch bei der Arbeit, bei den Kindern, bei allem – nur nicht beim Malen. Und mir geht es natürlich in meinem Atelier nicht anders.
Einen Malmoment schaffen bedeutet ein einfaches 3-Minuten-Ritual vor jedem Malen. Augen schließen. Drei tiefe Atemzüge. Spüren, wo meine Füße den Boden berühren. Mir sagen: *"Ich habe keine Ahnung, was passiert. Und das ist okay."
Warum das funktioniert?
Wenn dein Nervensystem noch im Stress-Modus ist, überträgt sich das auf dein Bild. Du malst verkrampft, kontrolliert, angespannt. Die ersten 5 Minuten entscheiden über die nächsten 2 Stunden.
Ein bewusster Moment davor schaltet dein Nervensystem um: Von "Fight or Flight" zu "Rest and Create".
Das ist kein esoterisches Getue. Das ist eine Technik, um bei dir, deiner Leinwand und einfach im Moment anzukommen.
Deine Übung: Vor dem nächsten Malen: Stell dich vor die Leinwand, schließe die Augen, atme 3x tief. Spüre, wo deine Füße den Boden berühren. Erst dann greif zum Pinsel.
2. Unsicherheit als Ausgangspunkt: Warum "Ich weiß nicht" der beste Start ist
"Ich weiß nicht, was ich malen soll" – das höre ich in jedem Workshop. Und die meisten sehen das als großes Problem an.
Wenn ich anfange zu malen starte ich genau da - beim Nicht-Wissen. Ich plane nicht. Ich überlege nicht, sondern ich fange einfach an. Und schaue, was passiert.
Warum das funktioniert?
Wenn dein Kopf die ganze Zeit plant und kontrolliert, hat deine Intuition keine Chance. Dein Inneres, das was wirklich ausgedrückt werden will, bleibt stumm.
Aber im Nicht-Wissen passiert Magie.
Die spannendsten Bilder entstehen nicht im Kopf, sondern im Loslassen. Wenn du aufhörst zu kontrollieren, darf dein Unterbewusstsein mitspielen. Und dein Unterbewusstsein weiß Dinge, die dein Verstand nicht weiß.
In meinen Workshops sage ich oft, dass man sich daran gewöhnen soll NICHT zu wissen, was als Nächstes passiert. Gerade in dieser Offenheit liegt die Magie
Deine Übung: Mal 5 Minuten mit geschlossenen Augen. Farbe auf dem Pinsel, Augen zu, bewege deine Hand über die Leinwand. Spüre die Bewegung, nicht das Ergebnis. Öffne erst am Ende die Augen.
Was du siehst, ist nicht gut oder schlecht es ist pur, ungefiltert und authentisch.
Das trainiert dein Vertrauen ins Nicht-Wissen.
3. Der Blick von außen: Die Regel, die ich automatisch anwende
Wenn man im Malprozess ist, tendiert man dazu immer nah an der Leinwand zu stehen und immer weiter zu malen. Dabei sieht man aber nur einzelne Pinselstriche und man verliert sich im Detail. Man verliert dann schnell den Blick für die wichtigen Bereiche im Bild
In meiner Malpraxis trete ich immer wieder von der Leinwand zurück. Mindestens alle 10-15 Minuten gehe ich absichtlich weit weg von der Leinwand. Ich hole mir einen Kaffee, (natürlich nicht alle 10 Minuten ;-) mache ein paar Dehnübungen und denke kurz an ganz was anderes.
Warum das funktioniert?
Aus der Nähe siehst du nur Striche, einzelne Farben und einzelne Bereiche des Bildes. Aber das Bild als Ganzes? Das siehst du nur aus der Distanz.
Abstand verändert alles. Plötzlich siehst du, wo es zu voll ist oder wo es Raum braucht. Auch wo die Spannung fehlt oder wie die Komposition wirkt.
Meine Teilnehmer:innen nerve ich immer mit diesem Tipp. Dieser Blick von außen ist nicht optional. Er ist essentiell. Ohne ihn malst du blind."
Deine Übung: Stell dir einen Timer auf 15 Minuten. Bei jedem Klingeln: Zurücktreten. Auch wenn du mitten in einer Bewegung bist. Schau das Bild an. Nur schauen. Dann entscheide, was als Nächstes kommt.
Diese Unterbrechungen sind keine Störung – sie sind Teil des Prozesses.