Was dein Atelier über dich verrät

Es gibt einen Moment im Atelier, den jede Malerin kennt. Der Pinsel ist sauber. Das Bild hängt an der Wand. Die Farben sind weggeräumt. Und da steht dieser Behälter — trüb, farbig, schwer — und wartet darauf, dass du entscheidest, was mit ihm passiert. Niemand schaut zu. Niemand wird es wissen. Was du in diesem Moment tust, sagt mehr über dich als jedes Bild, das du je gemalt hast.

Wir erschaffen Schönheit. Und dann?

MalerInnen sind Menschen, die Schönheit ernst nehmen. sieschauen da hin, wo andere wegsehen. Sie fühlen, was andere nur sehen. Und gleichzeitig — in diesem einen Moment am Ende des Malens — schauen viele von uns weg. Das Pinselwasser geht in den Ausguss. Nicht aus Gleichgültigkeit. Sondern weil es so einfach ist. Weil dieser eine Eimer doch keinen Unterschied macht. Aber macht er das wirklich nicht?

Das Atelier als Spiegel

Wie wir mit unseren Materialien umgehen, verrät wie wir mit der Welt umgehen. Ob wir Dinge zu Ende denken oder nur bis zum nächsten bequemen Moment. Übernehmen wir Verantwortung , auch wenn niemand zuschaut. Ein nachhaltiges Atelier ist kein perfektes Atelier. Es ist eines, in dem jemand angefangen hat, die wirklich wichtigen Fragen zu stellen.

Was wirklich dahintersteckt

Acrylfarbe besteht aus Pigmenten, die in Kunststoff gebunden sind. Beim Auswaschen der Pinsel löst sich dieser Kunststoff — feinste Partikel, unsichtbar, unfassbar klein — ins Wasser. Kein Klärwerk der Welt filtert das vollständig heraus. Es landet in Flüssen, in Seen, in Meeren — in denselben Landschaften, die wir auf unsere Leinwände bringen. Das ist kein Vorwurf. Es ist eine Tatsache, die ich selbst lange nicht sehen wollte.

Nachhaltigkeit im Atelier fängt nicht beim richtigen Produkt an. Sie fängt beim Hinschauen an. Die getrocknete Farbhaut, die als Collagematerial weiterlebt oder der Farbrest, der morgen zur Untermalung wird. Die alte Leinwand, die eine neue Geschichte bekommt. Ein Bild beginnt mit den Resten des letzten. Das ist eine Haltung.

Dieses Thema lässt mich nicht los — so sehr, dass mein Mann Christoph und ich angefangen haben, selbst eine Lösung zu entwickeln. Wer neugierig ist: kunstrein.de

Am Ende des Tages

Das nachhaltige Atelier ist kein Ziel, das man irgendwann erreicht. Es ist eine Richtung — eine Entscheidung, die man jeden Tag neu trifft. Wenn niemand zuschaut. Wenn der Behälter wartet. Wer Schönheit erschafft, trägt Verantwortung für die Welt, in der diese Schönheit existiert. Das ist keine Bürde. Das ist das Privileg, Künstlerin zu sein.